Wanderbaustelle. eu

 

 

Rennstrecke / Kastellaun 2006

 

Nach den netten Erfahrungen des ersten Besuches auf einer Rundstrecke wollte ich das
ja in 2006 wiederholen.
Inzwischen war auch der "Hilfsmotor" ausgebaut und der BigBlock drin.
Fertig war auch die Optik und das Fahrwerk.
Der Motor war allerdings noch ohne richtige Abstimung, d.h. das Ansprechverhalten ließ
noch zu wünschen übrig.

Deswegen wollten wir an dem Tag das Fahrwerk testen. Ich hatte von BT020 auf
Michelin PilotPower gewechselt.
Und die alten abgerauchten Bremsbeläge von KTM ersetzt durch ein paar schne Rennbriketts.
Die Gabel war von FRS schon auf kürzeren Federweg und progressive Dämpfung umgebaut.
Das Öhlins hinten hatte aber noch den alten Stand ohne Modifikationen, so daß ich jetzt
testen wollte wie die Gabel paßt und der Dämpfer damit harmoniert.
Deswegen schrieb ich mich wieder in die erste, also die Gruppe für Anfänger ein.
Ich wollte halt ein wenig gemütlich und entspannt rumfahren.

Gesagt - getan:

Die Strecke war gleich (siehe Kastellaun 2005).
Der Zeitpunkt der technischen Abnahme war wieder 9.00 Uhr.
Wieder zwei Gruppen.
Wieder der Warnwesten tragende pace-bike-Fahrer.

Wir waren zuerst dran.
Es stellte sich schon beim einfahren ein leicht vertrautes Gefühl ein. Das wich auch nicht
nach der dritten Einführungsrunde.
Dann ging des pace-bike zur Seite und überließ die anderen Fahrer sich selbst.

Ich gab also richtig Gas und schon beim rausbeschleunigen aus der 180°-Links merkte
ich, daß die Maschine besser lag.
Es trug mich auch ein wenig weiter heraus beim einbiegen auf die Gerade, dem maß ich
aber keine Bedeutung bei.
Erst als ich die Kehre auf mich zufliegen sah, merkte ich die deutlich höhere Geschwindigkeit
mit dem BigBlock.
Mein kurzer Schreck führte zu einem recht frühen Bremspunkt, was auch ganz gut so war,
denn ich bekam die Kurve keineswegs zu langsam !
Dafür konnte ich beim abwinkeln, nach links auf die Fleurop zu, auch den 3 Gang nutzen,
ohne daß es wirklich einen Unterschied gemacht hätte. Die Kiste zog einfach von unten
an, daß es eine Freude war.

Fleurop hoch und wieder blind nach rechts umgelegt... uuups... etwas zu schnell, bergab
trägt es mich nach links, der Pylon am unteren Ende muß der Fußraste leider weichen
und scheidet aus.

Auch die Gerade mit anbremsen vor Welle und Kreisel bringt neue Erkenntnisse.
Bremspunkt früher, einlenken schneller, im Kreisel vorsichtiger ans Gas, jetzt reicht der
Zug am Hinterrad auch zum wegschmieren. Da war mit 60 PS nicht dran zu denken.

 
        (kleine Jagd im Kreisel)                                                    

Die Folgegerade geht zügig. Der Zweig für meinen Bremspunkt fehlt zum Glück sonst hätte
ich den womöglich versucht vor der Kehre. Aber auch so reicht's gerade und mal wieder mit
stempelndem Hinterrad biege ich im 2 Gang durch die Linkskehre, diesmal aber zieht das
Ding zügig weg bis zur Schikane, da bremse ich schon mal präventiv früher, wedele entspannt
rum und setze die Blaue genau am rechten Rand in die 180°-Links, die ich unter gleichmäßigem
Zug durchfahren kann.

So geht's Runde für Runde weiter.

Merke: ein neuer Motor bringt eine andere Linienwahl, andere Brems- und Einlenkpunkte.

Interessant.

Interessant auch, daß ich jetzt in fast jeder Kurve mindestens 2 Gänge zur Auswahl habe.
Drehmoment ist wirklich durch nichts zu ersetzen.

So konnte ich dann entspannter weiter Runde um Runde drehen.

Wobei dann zu bemerken war, daß sich die Gabel ganz hervorragend schlug.
Kein Durchschlagen, sämige Dämpfung, so hat man's gerne.

Wie die ganze Vorderhand sehr vertrauen erweckend wirkte. Die Bremsklötze machten
ihren Namen alle Ehren und legten sich geschmeidig an die Stahlscheiben.
Der Druckpunkt war sehr gut spürbar und das über den gesamten Verlauf der Turns.
Wenn sich dann die Klötze in die Scheiben verbissen, krallte sich der Vorderreifen
förmlich in den Asphalt.
Wenn man das länger machte, stellte sich auch beim Bremsen der von Bernt Spiegel 
(Buch: "Die obere Hälfte des Motorrades") so gerne zitierte FLOW ein.
Das streßfreie Fahren, nahezu durch's Unterbewußtsein gelenkt.

Da blieb Zeit und Muße, das Gefühl für's Vorderrad an sich selber zu beobachten.
Ich hatte das Gefühl, die Gabel wäre eine Verlängerung meines Arms, die Reifenaufstandsfläche
meine Hand und ich konnte förmlich spüren, wie sich die Profilblöcke leicht verbogen um
den auftretenden Brems- und Lenkkräften entgegen zu wirken.

Das war mir auch schon kurz beim ersten Besuch, damals noch auf BT020 aufgefallen.
Da hatte ich das Gefühl, die Profilblöcke leicht biegen und ganz wenig auch rutschen zu spüren.
Das Tragbild des BT020 mit Sägezähnen und blauen Rändern bestätigten mir das damals schon.

Jetzt war das alles noch deutlicher spürbar, weil ich mich nicht mehr auf die Strecke konzentrieren brauchte.
Und da ich keinerlei Ambitionen hatte, fuhr ich auch entspannt.
Es bewahrheitete sich der Satz: Nur der entspannte Fahrer ist schnell.
Ohne es darauf anzulegen oder es gar zwingen zu wollen. Einfach so.

Auf der Bremse war das ein sehr intensives Gefühl; die Beläge konnte ich spüren
beim Anplegen an die Scheiben, das Eintauchen der Gabel, die zunehmende Dämpfung
und das walken des Vorderreifens.
Und dann hast Du das Vertrauen in das Vorderrad, in das Motorrad.
Dann erst kannst Du spät bremsen ohne höheren Puls, ohne Anstrengung.
Erst dann wirst Du schneller.

Aber Achtung !
EINE Schrecksekunde, ein Verbremser, eine Steinchen auf der Fahrbahn mit nachfolgendem
Rutscher mit Schrecksekunde, schon ist das Intuitive wieder weg. Der FLOW ist fort.
Dauert dann bei mir wieder eine Runde bis sich dieses schöne Gefühl einstellt.

Nachmittags dann gesellte sich vom Eyser mit einer Kundenmaschine mal zu uns in die Anfängergruppe.
Er fuhr eine kleine 2-Takt-Aprilia mit 65 PS, aber eben auch nur 150 kg.
Damit hatten wir mit Fahrern ein nahezu identisches Leistungsgewicht....... erwähnte ich,
daß ich ein wenig mehr wiege als JvE ?  :-)

  

Im Vergleich war interessant zu sehen, wer wo wie schnell war. JvE hatte etwas mehr
Kurvenspeed, da verschärfter hangig-off bei ihm angesagt war.
Dagegen taugte meine Herrenfahrer-Haltung nicht gerade für die Eisdiele.
Beim Rausbeschleunigen aus der Kurve gab's Gleichstand, kein Wunder bei gleichem Leistungsgewicht.
Vorausgesetzt, er hatte sich nicht verschaltet.
Da ist so ein 2-Takter gnadenlos und zieht keinen Hering vom Teller.
Beim Bremsen hatte ich, trotz höheren Gewichts, leichte Vorteile, aber immer nur ein paar Meter.
Das reichte bei einem rennerfahrenen Piloten nicht für's zügige Vorbeifahren.

Nach einigen Runden hatte ich mich so weit rangepirscht, daß ich ausgangs der Geraden
(nach der 180°-Links) versuchte, mich neben ihn zu setzen.
Wir bremsten beide spät, er lenkte ein, ich mußte nachgeben.
Aber er hatte mich schon mal bemerkt.

Durch die Fleurop war ich schneller, die lag ihm nicht, aber das hilft wenig wenn da nur
eine Maschine durch paßt. Die Bunkergerade bis zum Kreisel ist zu kurz, also konzentrierte
ich mich auf die Welle, da mußte er etwas rechts ausweichen und ich wollte durch.
Wie immer blieb JvE cool.
Ich kam nur bis daneben und hatte dann im Rechts-Kreisel die Außenlinie.
Da hilft nix.

Rausbeschleunigen aus dem Kreisel ging bei uns beiden gut. Das bessere Drehmoment
machte sich leicht bemerkbar, so daß ich wieder dicht ran kam und mich neben ihn setzen konnte.
Wir bremsten uns beide in die Spitzkehre2 rein, aber ich war innen ..... *grins* ......und
wenn Dir von links über 300 kg Deine Linie schneiden hältst Du nicht unbedingt dagegen.
Den Ausschlag gab dann das Beschleunigen aus dieser Kehre in die leicht nach links biegende Gerade.
Da konnte ich dann vorbei ziehen. War sozusagen ein innerer Vorbeimarsch.

Dabei stand uns dann noch ein langsamerer Guzzist vor der Schikane im Weg, ich bremste
wieder noch später, überholte den noch vor der Schikane und JvE mußte bis nach der Schikane
und der 180°-Links warten, bis er sich den vornehmen konnte.
Nach dieser motivierenden Einzelaktion machte ich dann langsamer und fuhr wenig später raus.
So ein kleiner Fight reichte mir völlig für den Tag.

Zumal ich in einem Turn vorher noch einen erheblichen Dämpfer eines in diese Gruppe
verirrten SuperMoto-Fahrers hinnehmen mußte.

So ne SuperMoto ist ja ein feines Ding:
650 ccm von Husaberg, angegeben mit etwa 75 PS, gerade mal 115 kg Gewicht, dazu Rennreifen,
bei denen der Vergleich mit Kaugummi wirklich eine Beleidigung wäre.
Und dann ein Fahrer drauf, der "nur mal eben" was probieren will.

Auf der Geraden war ich schneller *Freude*, da kommt mein Bremspunkt, ich bremse später:
Wollen wir doch mal sehen !
Die Maschine geht vorne in die Federung, bremst was das Zeugs hält.
Beim Anbremsen spüre ich so'n komischen Zug, als der Wahnsinnige an mir vorbei fliegt !

Hah, jetzt müßte er bremsen - macht er aber nicht.

Spätestens jetzt MUSS er, sonst legts ihn - tut er aber nicht.

Der bremst einfach nicht.

Stattdessen stellt sich die ganze Karre kurz nach rechts dann nach links, sein linkes Bein
geht nach vorne und der gleitet in Dreipunktlage in erstklassigem slide durch die Spitzkehre1,
daß mir der Mund offen stehen bleibt.
Leider dabei vergessen daß ICH sehr wohl bremsen und auch die Kurve kriegen mußte.
Lande dabei fast in der Botanik.
Das Spiel durfte ich dann noch mehrfach bewundern, dann fuhr ich raus.

Nicht ohne mir das Schauspiel noch mal bei Start/Ziel anzusehen.
Alle, wirklich alle, fahren nach der Schikane rechts (!) damit man die Welle links nicht mitnimmt
vor der 180°-Links. Dafür nimmt man dann halt den großen Radius in Kauf.
Der SuMo-Fahrer bremste die Schikane spektakulär an, erst leicht links mit pfeifendem Hinterrad
dann rechts mit slide durch die Schikane, wieder links umgelegt und im SPRUNG über die
Welle driftend mit beiden Rädern in der Luft.
Landung immer noch im Drift auf beiden Rädern, der linke Fuß stabilisiert vorne;
dabei innen 2 schnelle Maschinen überholt.
Ach ja, die ganze 180°-Links natürlich im Drift !

Drecksack der !  :-)

Spätestens da ist dann ein Abgleich der eigenen Fahrkunsteinschätzung
mit den Realitäten der Profis fällig.
Gut.
Das werde ich nicht mehr lernen in diesem Leben.

Trotzdem macht's Spaß auf'm Kringel zu fahren.

Ich packe also zusammen.
Nicht ohne mir vorzunehmen, auch im kommenden Jahr wieder dabei zu sein.

 

Ach ja, es gab noch so einiges zu sehen:

Eine ältere Ducati 1-Zylinder und ein MV-Agusta. Die mit der schön geschwungenen Auspuffanlage.

   

Wie die MV klingt kann man sich hier anschauen und -hören.
(Der Film für den QuickTime player hat etwa 1,7 MB)


(Bild bitte anklicken)

 

 

Kommentar dazu ? Gerne ! bitte hier: Gästebuch

Du hast Fragen ? -> Kontakt

 

bmw, 247, e, r 100 gs, enduro, tuning, hpn, bcd motorradtechnik, joachim vom eyser, lottmann, fallert, q-tech, silent hektik, rudi kallenbach, dirk scheffer, israel, wunderlich, edelweiss, siebenrock, sepp bruckschlögl, motor, kurbelwelle, kreuzgebohrt, erleichtert, nockenwelle, 296, 308, 320, 324, asymetrisch, asymmetrisch, 330, 332, 340, 344, 360, pitting, umgeschliffen, stößel, stoßstangen, stößelstangen, kipphebel, festigkeitsgestrahlt, ventil, ventilfeder, doppelt, porsche, ventilkappe, ventilschaft, ventilführung, ventilteller, ringspalt, ventilsitz, brennraum, klingeln, quetschkante, quetschfläche, ansaugkanal, verjüngen, überschall, überström, profil, kolbenboden, ventiltasche, auskneten, bleidraht, doppelzündung, ölkreislauf, außenliegend, ölfilter, einspritzung, drosselklappen, dks, dk stutzen, lufi, luftfilter kasten, ansaugrohr, kurbelgehäuse entlüftung, ps, nm, leistung, drehmoment, wp, white power, öhlins, wilbers, zugstufe, druckstufe, frs franz, tank, carbon, karbon, cfk, gfk, alu, titan, michelin, pp pilot power, 17 zoll, speichen räder,