
Rennstrecke / Oschersleben 2007
Twins Only Eine Veranstaltung der MO am 18. und 19. Juli
2007
Da Oschersleben von Düsseldorf/Kempen etwas weiter entfernt ist, beschlossen
J.vom Eyser
und ich, bereits am Vortage anzureisen.
Damit das alles zügig geht, nahmen wir meinen T4 und zurrten die Duc und die Wanderbaustelle
fest.

Wir kamen rechtzeitig gegen 18.00 Uhr dort an...

...und meldeten uns bei den netten Mädels der MO.

Die teilten direkt mal die Startnummern aus. zu meiner Verwunderung waren das
rote Ziffern,
was bezüglich der Gruppeneinteilung Schlimmeres befürchten ließ.
Man hatte uns einfach mal in die rote (=schnellste) Gruppe eingeteilt.
Da wäre "auch noch am meisten Platz" gewesen.
Selber schuld. Hätten wir mal Wünsche vorab geäußert......
Wir trafen uns noch mit dem MO-Photografen Andy Glänzel, der für
einen MO-Bericht
noch die Photos schießen sollte.
Da gerade tolles Wetter und schönes Abendlicht war entschieden wir das sofort zu erledigen
und packten erst mal alles aus.
Einige vom Eyser'sche Kunden hatten bereits eine Doppelbox angemietet, so
daß wir
da vereinbarungsgemäß unterkamen.

Alles also eingeräumt und die blaue Wanderbaustelle in die Boxengasse
geschoben.
Andy machte dann erstmal die Großaufnahmen. Übrigens von ziemlich weit weg (>50m)...

...mit einem Tele. Dazu durfte ich dann die
Maschine -zigmal drehen, damit er jede
Seite ablichten konnte.

Dann kamen die Detailaufnahmen:
Andy Glänzel
hier beim Aufmacherphoto der Einspritzung
Nach etwa 1 Stunde hatte Andy alles im Kasten. Wir stellten die Maschine
wieder in die
Box, takelten das StVZO-Geraffel ab, klebten die Startnummern dran und
fuhren die paar
hundert Meter zum Rennstrecken-Hotel.
Nach wir wieder frisch waren ging es in die Stadt zum Essen.
Abends dann besuchten wir die Jungs in der Box und trafen den Olaf mit 2
Bekannten
im Wohnmobil hinter der Boxenanlage.

Insgesamt also neben ein paar Bierchen und Benzin reden ein netter
Abend.
Der erste Tag beginnt um 8.00 Uhr mit der Gruppe "Rot" !
Grundsätzlich wurden 20 Minuten-Turns gefahren, dann 5 Minuten für Wechsel
der Gruppe,
rausfahren, und neu rauffahren der nächsten Gruppe. Dann wieder 20
Minuten freies Fahren usw. usw.
Bedingt durch unsere Einteilung in Gruppe rot, hatte ich also erst mal gehörigen Respekt
vor den Mitfahrern.
In der Box standen überwiegend Ducatis mit Heizdecken auf den
Rennreifen. Einige ohne
Starter, Batterie etc. Die wurden dann erst mal auf der Startmaschine
in der Box angelassen.
In der Aufstellung sah ich dann viele Ducatis, 748, 916, 996, 999, 1098 - das gesamte Programm.
Dazu noch Aprilias,Honda, Buells und sogar 4V-BMWs.
Alle andere 2V-BMWs waren den anderen Gruppen.
Wie beruhigend.
Meister vom Eyser bot mir an, die ersten Runde direkt vor mir zu fahren
damit ich den
Kurs kennenlernen konnte.
Das nahm ich dankend an.
Hier eine Skizze des Kurses für die Interessierten:

Es ging damit los, daß ein Instruktor der MO die Gruppe anführte und erst
mal den Kurs
zeigte zum warmfahren. Das ging dann wie üblich die zweite und dritte
Runde schneller
bis er dann eben rausfuhr und man frei fahren konnte.
Entgegen meiner Befürchtung war die Strecke schnell gespeichert.
Beginnen wir mit der Start/Ziel-Geraden.
Diese ist lang genug, um auf Höchstgeschwindigkeit zu kommen, zumindest bei
meiner BMW.
Bremspunkt war bei mir ungefähr auf Höhe der Brücke, bei etwa 200 km/h,
später dann mehr.....
Im 2.
turn gemessene Vmax, im IMO gespeichert.
Da bremst Du zügig runter und fährst - meist von rechts - in den
Linksknick, direkt zur
Omega-Rechts, der Hotelkurve. Diese wird in voller Schräglage lange rechts umfahren,
dabei trägt es Dich leicht nach links raus und Du beschleunigst auf die
Gerade zur Hasseröder.
Die bremst Du rechts an und fährst unter Zug ganz durch bis Du am Ende ganz rechts
beschleunigend rauskommst.
Da früh am Gas zu sein hilft enorm (oder "hätte geholfen" sag ich besser mal für die ersten
Runden....) und Du fährst auf die Triple-Links zu. Anfänglich hab ich
die noch kurz
angebremst und in den 4. zurück geschaltet, um dann in möglichst einheitlichem
Bogen die Triple zu nehmen.
Der dritte Knick endet dabei direkt am Eingang einer langen Rechts, "Turn 4" genannt.
Also mußt Du, noch in Schräglage, kurz vor dem Scheitelpunkt des 3.
Knicks anbremsen.
Die lange Rechts geht eher mäßig schnell, das Gas mußt Du aber früh wieder aufmachen
sonst fehlt Dir Speed für die Schikane mit nachfolgender langer Rechts,
eine Schlüsselstelle.
Dabei nahm ich mit der Wanderbaustelle die Schikane fast gerade, fuhr also beim
ersten Rechtsknick ganz nah an den Curbs und,direkt am Linksknick,
links der Curbs
über das Rasengitter.
Mit dem Speed ging's dann in die Rechts (Turn 6) auf die Gegengerade. Wer hier früh
am Gas war konnte, weit links rausgetragen, schnell auf die Gerade kommen und andere überholen.
Die zweite Möglichkeit war am Ende dieser Gegengeraden, vor der Shellkurve.
Bremspunkt war hier kurz vor der Brücke, bei mir an einer Linie über der Strecke.
Weit genug links angebremst ging es in die links-rechts-Kombination,
bei der ich in der
Links anfangs immer sehr weit nach rechts rausgetragen wurde.
Bis ich mal wieder auf meine Blickführung geachtet habe, dann konnte ich die Maschine weiter
innen halten.
Die kurze Gerade zur Bauerkurve wird als solche gar nicht wahr
genommen.
Durch die Rechts/Links-Kombi geht's im Bogen einfach weiter zur Rechts, die abfällt
und weit zügiger genommen wird als ich mich das zuerst traute.
Vor der engsten Stelle, der Rechts vor der Start/Ziel bremst man noch kurz runter,
etwa auf Höhe der Boxeneinfahrt, um dann erst spät den Scheitelpunkt
rechts zu suchen
damit man die Linie nicht wieder korrigieren muß.
Bis zum Schluß ist genau diese, etwa 100° reichende Rechts nicht mein Freund geworden.
Aber durch die mußt Du schnell genug durch, sonst hilft Dir alles nichts auf der Geraden.
Ich fuhr immer, mit anderen hinter mir, auf die Gerade und konnte etwa bis 3 zählen.
Dann fing die Maschine an zu wackeln.
Allerdings nicht wegen beginnender Fahrwerkschwächen.
Nein.
Der Sog der abwechselnd links und rechts an mir vorbei fliegender Ducs
war's.
Die hatten einen Fahrtüberschuß von geschätzten 50 km/h und mehr.

Nett war hingegen der Überholvorgang einer R 1100 S.
Er kriegte mich erst weit nach den Ducs, kam aber problemlos vorbei.
Nur:
Er bremste deutlich früher als ich, so daß ich knapp hinter der Brücke wieder links
neben ihm war. Einfach eher nach links reingezogen - wieder vorne.
Fertig !
Insgesamt gab es zum überholen nur die Gerade zur Hasseröder, die zur
Triple und in
der Triple und dann erst wieder die Gegengerade.
Nach dem ersten Turn fuhren wir planmäßig raus.

Witzig waren die Reifen.
Ich hatte komplett neue drauf gemacht und wir waren ja mit dem Bus angereist.
Die Michelins kamen also jungfräulich auf die Piste.
Nach dem ersten Turn waren mittig noch die kleinen Nippel zu sehen, an den
Flanken
fehlten die völlig.
Sah aus wie ein Irokesenschnitt !
(Und ich Trottel hab davon kein Photo gemacht....)
Dafür aber vom normalen Tragbild der Reifen:

So fuhren wir danach Turn um Turn.
Immer wenn ich einen Zacken zulegen konnte, rubbelte J. vom Eyser wieder eine Sekunde mehr runter.
Manchmal hatte ich schon das Gefühl, er wolle mich ein wenig
ärgern.....
Interessanterweise waren die 20 Minuten genau richtig, um die Konzentration
nicht zu
verlieren. So konnte man gut seine Zeiten verbessern.
Zwischendurch gab's Mittagspause. Einfache Kost. Nudeln überwiegend, Salat
etc.
Aber ausreichend und lecker.

Frisch gestärkt ging's dann nachmittags weiter.
Zwischendurch stopte ich aus Interesse immer mal wieder die Zeiten der anderen Fahrer,
die ich kannte.
Die 2V-Fahrer lagen meist bei 2:15 bis 2:00.
Die Ducs mit richtig schnellen bei etwa über 1:40 !!!
Der Lars aus unserer Box, der mit einer getunten 4V-GS mit angegebenen 115
PS fuhr,
hatte ein Lap-Timer bei.
Seine Zeiten gab er auf meine Anfrage mit etwa 1:52 an.
Er bot mir an, den Timer mal an meiner Maschine zu befestigen,was ich dankend annahm.
Als er das Teil wieder bekam und auslas, war die beste Zeit 1:51.

Die dummen Sprüche seiner Freunde nahm er nur scheinbar gelassen
entgegen,setzte
sich beim nächsten Turn auf seinen 4-Ventiler und fuhr mal eben eine 1:49.
Respekt !
Dann fragte er bei den MO-Leuten nach einem Instruktor, der einem helfen
könne, die
Linie zu verbessern.
Bei der avisierten Zeit wurde dann auf Nina Prinz verwiesen, Rennfahrerin.

Die "Prinzessin" genannte fuhr dann mit Lars raus, in diesem Falle in unserer roten
Gruppe, so daß ich hautnah einiges miterleben konnte.
Sie nahm eins der MO-Fahrzeuge, eine BMW F 800 S mit SR-racing Auspuff und
etwa 95-100 PS.
Lars erzählte später, sie sei erst hinter ihm hergefahren, um seine Linie zu sehen, und dann
vor ihm damit er sich an ihr orientieren konnte.
Wie gesagt, ich bekam einiges mit.
Es war auf der Gegengeraden, in die ich diesmal wirklich schön schnell kam
und direkt
auch mal eine Buell aufschnupfen konnte, etwa Mitte der Geraden.
Mein Anbremspunkt kam zügig auf mich zu, ich langte in die Eisen, die Maschine nahm die
Nase runter.
Und rechts neben mir flog jemand vorbei....
...die Prinzessin.
Voll in die Bremsen, dabei rechts in verschärftem hanging-off eingelenkt
und in
schöner Dreipunktlage die Recht/Links eingeläutet.
Und ich meine erkannt zu haben, daß das Hinterrad ihrer F 800 dabei einen gewissen
Schräglaufwinkel einnahm...
Zwei Zentel später zischte es wieder und Lars kam, eher aufrecht sitzend,
mit seinem
wohlausgefüllten schwarzen Leder, ähnlich zügig an mir vorbei.
Bis zur 100° Kurve vor der Start/Ziel-Geraden blieb ich zumindest in Sichtweite - dann waren sie
weg.
<klick> kleines Filmchen von Lars 1150 GS
auf der Geraden
Die Zeit vom Lars war 1:46 !!!!
Die haben mir also mal eben 5 Sekunden abgenommen.....pro Runde !
*hüstel*
Das rückte die Welt wieder gerade.
Tröstend war dabei nur, daß die anderen 2V eben nicht über etwa 1:58
rauskamen.
Dazu war ich in der Leistungskonfiguration mit etwa 90 PS unterwegs, wegen der alten,
engen Ansaugrohre.
Wenn ich allerdings ehrlich bin, werde ich die Zeit in OSL auch mit 100 PS nicht so erheblich
steigern können.
Aber unter 1:50 sollten schon drin sein. Das reicht dann
auch für eine BMW....
Neben der "Zeitenjagd", die ja inoffiziell ist, gibt es eigentlich noch
ganz andere interessante
Erfahrungen.
So war ich mit der vorläufigen Endauslegung des Fahrwerks schon sehr zufrieden.
Da wackelte nichts und auch beim Anbremsen der Kurven tauchte die
Maschine nie über
Gebühr ein.
Die Handlichkeit in Wechselkurven war sowieso sprichwörtlich, dem steileren Lenkkopfwinkel
und kürzeren Nachlauf geschuldet.
Aber bei solchen Rennstreckentrainings gibt es ja häufig professionelle
Fahrwerksspezialisten
an der Strecke. So auch hier.
Also fuhr ich nach dem Mittag schnell mal hin und ließ mein Setup
begutachten.
Nach mehrmaligem Einfedern vorne, hinten und in der Mitte drückte er sie mir wieder in
die Hand und sagte: "laß sie genau so !"
Auch das Reifentragbild war in Ordnung, so daß die viele Abstimmungsarbeit ihre Bestätigung
fand.

Im Laufe der nächsten Turns änderte sich dann noch mal die Linie ein
wenig.
Das Anbremsen der Schikane nach Start/Ziel ging auch mehr in der Mitte.
Die folgende
Rechts nahm ich dann etwas spitzer, um früher ans Gas zukönnen.
Dabei ging allerdings weiteres teures Alu vom Ventildeckel flöten......
In die Triple wurde eingelenket OHNE Gas wegnehmen.
Im Gegenteil schaltete ich davor einfach weiter durch in den 5. und
nahm enorm viel Schwung mit.
Dabei ging die Linie aber nach außen, wo diesmal eine Bodenwelle wartete, die ein
paar
Meter weiter innen noch nicht da war. Weniger angebremst im 3. Knick der Triple hieß dann
den Turn 4 spitzer fahren, früher ans Gas und eben schneller durch die
Schikane auf Turn 6
und die Gegengerade zu.
Die Rechts/Links hatte ich ja schon ab Beginn lieb und die Folge-Rechts
(Bauer) ging auch.
Aber auch der Tip eines Mitstreiters, die 100°-Kurve weit außen, unter
Zuhilfenahme der
Boxeneinfahrt, zu nehmen und den Scheitelpunkt ganz spät zu legen,war
nicht wirklich mein Ding.
Es gibt immer Kurven, die einem nicht liegen.
Aber insgesamt war's schneller und machte Spaß.
Am 2. Tag fingen wir wegen, sagen wir mal "nicht trainingskonformer
abendlicher Schlaftrunkeinnahme"
erst zum 2. Turn an.
Es lief bei uns beiden nicht soooo gut, so daß wir mittags beschlossen das Feld zu räumen,
bevor vielleicht noch was passiert.

(Aprilia nach Unfall kurz vor der Boxeneinfahrt mit
etwa 150 km/h. Auch sowas passiert, häufig den "Übermotivierten")
Alles in allem war es eine tolle Veranstaltung und wir werden in 2008
sicher wieder da sein,
die Wanderbaustelle und ich.
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